„Steeler Jecken“-Wagen sorgt für Ärger beim Freisenbrucher Umzug

"Steeler Jecken"-Wagen in Freisenbruch
Ein Wagen der "Steeler Jecken" sorgte beim Karnevalszug für Ärger. Es soll sich in Wahrheit um Mitglieder der umstrittenen "Steeler Jungs" gehandelt haben.

Beim Karnevalsumzug der Freisenbrucher Gänsereiter fuhr auch ein Wagen der „Steeler Jecken“ auf. Dahinter sollen sich Mitglieder der umstrittenen „Steeler Jungs“ versteckt haben. Die Gänsereiter erwägen eine Anzeige.

„Steeler Jecken“ entpuppten sich als Mitglieder der „Steeler Jungs“

Ein Wagen, der beim Freisenbrucher Umzug mit dabei war, sorgte schon während des Umzugs für Irritationen bei den Besuchern. Die Mitglieder traten allesamt in roten Pullis mit der Aufschrift „Steeler Jecken“ auf. Auf dem Wagen war dann jedoch ein Banner der „First Class Crew“ gehisst. Hinter diesem Begriff sollen sich die Mitglieder der umstrittenen Gruppierung „Steeler Jungs“ verbergen. Auch ähnliche Gruppen aus Huttrop und Borbeck sollen in der Vergangenheit an Aktionen der Steeler beteiligt gewesen sein.

Die Rückseite des Wagens war mit „Schützt euch vor Zecken. Helau… die Steeler Jecken“ beschriftet. Da einige Mitglieder der Gruppierung mit Hooligankreisen und Gruppierungen mit nationalistischen Gedankenguts in Verbindung gebracht werden, schien dies als politische Aussage verstanden zu werden.

Das Bündnis „Essen stellt sich quer“ zeigt sich entsetzt

Das antifaschistische Bündnis „Essen stellt sich quer“ sieht hierbei eine indirekt Gewaltandrohung gegen Andersdenkende.

„Wir sind entsetzt darüber, dass die „Steeler Jungs“, die wöchentlich als Bürgerwehr in Steele aufmarschieren, an einem Karnevalszug teilnehmen. Wir verstehen nicht, wie die Organisatoren des Umzugs die Gruppe zulassen konnte“, so Sonja Neuhaus, Sprecherin des Bündnisses Essen stellt sich quer.

„Ein Karnevalsumzug ist ein Ereignis, an dem vor allem Familien mit Kindern teilnehmen. Gerade hier hat rechtes Gedankengut absolut nichts verloren. Wenn man eine Gruppe mit Verbindungen zu gewaltbereiten Hooligans und Rechtextremen an Karneval im Zug mitlaufen lässt, dann hilft man mit rechtes Gedankengut in der Mitte der Gesellschaft zu verbreiten. Dem stellen wir uns entschieden entgegen. Die Steeler Jungs sind kein Karnevalsverein, sondern Rechtsextreme und gewaltbereite Hooligans.“

Freisenbrucher Gänsereiter: „Wir wurden betrogen!“

In einem eiligst eingeräumten Treffen der Organisatoren des Umzugs, den Freisenbrucher Gänsereitern, zeigt man sich am Montagmorgen, 04.03.2019, erschüttert.

Hans-Walter Röpke vom Vereinsvorstand sieht sich getäuscht. Ursprünglich habe sich ein Gruppe namens „Steeler Jecken“ angemeldet, die mit Frauen und Kindern am Umzug teilnehmen wollte. Das schlußendlich die umstrittene Gruppierung aus Essen-Steele am Zug teilnahm war so nicht geplant.

Auch von der fragwürdigen Beschriftung des Wagens war damals noch nicht die Rede. Am Karnevalssonttag wurde der fragliche Aufdruck am hinteren Teil des Wagens  kurz vor dem Zug nach einer Ansage entfernt. Trotz Absprachen befand sich der fragliche „Zeckenspruch“ während des Zuges wieder am Wagen. Außerdem gesellten sich mehrere Männer mit roten Pullovern zu den Frauen und Kindern am und auf dem Wagen.

Der Vorstand der Gänsereiter Freisenbruch prüft zur Zeit zusammen mit einem Rechtsanwalt rechtliche Schritte gegen die „Steeler Jecken“.

Desweiteren verwendeten die „Steeler Jecken“ wohl das Stadtwappen der Stadt Essen ohne Genehmigung auf ihrem Wagen. Online äußerte sich bereits die Stadt dazu: „Man werde die Sache schleunigst prüfen.“

Steeler Jungs stehen schon länger unter Beobachtung

Die „Steeler Jungs“ sind eine lose Gruppierung, die regelmßige Spaziergänge durch den Stadtteil Steele veranstaltet. Hierbei geht es laut eigenen Aussagen darum, den Stadtteil sicher zu machen. Gegen die selbsternannte Bürgerwehr gibt es auch regelmäßigen Widerstand. Die Bürgerinitiative „Mut machen – Steele bleibt bunt“ veranstaltet Gegendemostrationen.

Zuletzt machten die Steeler Jungs mit einem Foto Schlagzeilen. Ein Essener Polizist ließ sich inmitten einer Gruppe von Teilnehmern dieser Spaziergänge ablichten. Auf Nachdruck der Essener Politik wurde der Beamte mittlerweile in einen anderen Stadtteil versetzt.

Ganz offensichtlich griffen die „Steeler Jecken“ diese Geschichte auch bei ihrer Teilnahme am Freisenbrucher Karneval auf. Hinter dem Wagen maschierte ein als Polizist verkleideter Teilnehmer mitten unter den mit roten Pullis Uniformierten mit.

3 Kommentare

  1. Ich hoffe sehr, dass die „Freisenbrucher Gänsereiter“ mit juristischen Maßnahmen gegen diese selbsternannte Bürgerwehr „Steeler Jungs“ – bzw. „Steeler Jecken“ Erfolg haben. Immerhin muss es für für die Anmeldung dann ja auch polizeilich fassbare Personen geben. Es bleibt allerdings traurig, dass viele im Karnevalsumzug beteiligte Gruppen und Einzelpersonen sicherlich gar nicht mitbekommen konnten, welche braune Truppe sich da in die fröhliche Schlange eingeschlichen hat. Gerade diesen Menschen dürfte jetzt besonders wichtig sein, dass aufgrund einer Anzeige gegen die „Steeler Jecken“ deutlich wird, dass am Sonntag keinerlei, auch klammheimlicher Sympathie zur selbsternannten Bürgerwehr und ihrem Motivwagen vorhanden war.

    • Hoffentlich machen die Steeler Jecken eine Gegenanzeige wegen Diskriminierung und Verleumdung. Ich habe auch keine Angst, das meine E-Mail Adresse nicht gezeigt wird, von mir aus kann jeder wissen, das ich das geschrieben habe. Alleine schon die Bemerkung von Walter Wandtke (braune Truppe) ich habe keine braun gesehen, die Jungs haben rote Pullis angehabt.

  2. Es ist ja löblich, dass Herr Röpke und die Freisenbrucher Gänsereiter sich von diesem Auftritt distanzieren.
    Andererseits: Wir haben wenige Sekunden gebraucht, um beim Vorbeifahren die Gruppierung und die Gesinnung zu erkennen – die Aufschrift auf dem Wagen und auch Kappen mit dem Schriftzug „Steeler Jungs“ waren offensichtlich. Die Vorbereitung und die Aufstellung des Zuges hat deutlich länger gedauert. Da müsste es seitens des Veranstalters genug Gelegenheit gegeben haben, den Wagen aus dem Zug zu nehmen. Ich bin fassungslos, dass man es dieser Truppe ermöglicht hat, diese Bühne zu nutzen.

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